Christien Meindertsma (Utrecht, 1980) hegt eine tiefe Liebe zur Wolle und zu den Möglichkeiten, die dieses traditionelle Material bietet. Ihre Faszination für Wolle entspringt der bemerkenswerten Dualität dieses Materials: Es ist weich und dennoch extrem widerstandsfähig. Ihre Forschung begann nach ihrem Abschluss an der Design Academy Eindhoven, als sie in die Welt der Wolle eintauchte und sich von der Magie von Herstellungsverfahren wie Spinnen, Weben und Filzen inspirieren ließ. Die Ausstellung beleuchtet Meindertsmas Engagement für lokale Produktion und die Wiederentdeckung ungenutzter Rohstoffe.
Meindertsma: „Die Tatsache, dass wunderschönes Material weggeworfen wird, fordert mich heraus. Als Designerin und Gestalterin spüre ich die Dringlichkeit, bei der Suche nach einer Lösung mitzudenken. Historische Verwendungsweisen und neue Technologien inspirieren mich dabei.“
Charakteristisch für Meindertsmas Œuvre ist ihre spezifische Forschungsweise: die Dokumentation des Prozesses, bei der der Schwerpunkt nicht auf dem Endprodukt liegt. Durch ihre Art zu entwerfen, ihre unermüdliche Neugier und ihren Idealismus hat sie einen ganz eigenen Stil entwickelt. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist Meindertsmas bahnbrechende Forschung zum maschinellen 3D-Druck mit Wolle ohne den Einsatz von Wasser. Mit den Ergebnissen ihrer Forschung eröffnet Meindertsma neue Wege zu innovativen Techniken und Anwendungen, die zunächst unmöglich schienen. Im Cuypershuis werden die ersten konkreten Ergebnisse präsentiert, die aus Wolle des Kempischen Heideschafs aus Roermond hergestellt wurden.
„Unter der Wolle“ lädt die Besucher dazu ein, die Geschichten hinter der Wolle, den Wollüberschuss und neue Verwendungsmöglichkeiten zu entdecken. Dabei lassen sich Verbindungen zwischen Wolle und unserer Lebenswelt erkunden. Nach einem Besuch dieser Ausstellung werden die Redewendungen „Schäfchen zählen“ und „unter die Wolldecke kriechen“ nie wieder dieselbe Bedeutung haben.
Dieses Projekt wurde von der Gastkuratorin Noëlle Kemmerling initiiert und gemeinsam mit Christien Meindertsma und Nadine Gouders, Kuratorin des Cuypershuis, entwickelt. Die Ausstellung „Onder de wol – Christien Meindertsma“ ist vom 20. Oktober bis zum 12. Mai 2024 im Cuypershuis zu sehen.
Cuypershuis
Das Cuypershuis zeigt im ehemaligen Wohnhaus und in den Werkstätten des Architekten Pierre Cuypers einen Überblick über sein Leben und sein Werk. Dabei stellt das Cuypershuis – durch das Erzählen von Geschichten aus verschiedenen Blickwinkeln und Disziplinen – das gedankliche Erbe von Cuypers in einen zeitgenössischen Kontext.
Auch bei „Onder de wol“ bildet die von Cuypers’ Gedankenwelt geprägte gestaltete Umgebung den Ausgangspunkt. In dieser Präsentation wird der Frage nachgegangen, welche Rolle der Gestalter bei der Lösung aktueller Probleme und der Darstellung der Zukunft spielt.
Als Architekt, (Innen-)Designer und Handwerker war Cuypers damit beschäftigt, ein Lebensumfeld zu schaffen, das seinen Idealen entsprach. Seine Werkstatt diente sozusagen als „Labor“ für die notwendigen Material- und Formexperimente, um schließlich zu neuen Entwürfen und Produkten zu gelangen.
Christien Meindertsma
Genau wie Cuypers ist Christien Meindertsma eine Pionierin, und als Forscherin und Designerin sucht sie mit ihren Innovationen nach Lösungen für dringende Probleme. Dabei lässt sie sich von der historischen Verwendung von Materialien und neuen Technologien leiten. Eine direkte Verbindung zwischen Meindertsma und Cuypers besteht in der Entwicklung von Baumaterialien: Cuypers entwickelte seinen „idealen“ Ziegelstein, und Meindertsma sucht nach einer neuen Verwendung von Wolle als alternativen Baustoff und Dämmmaterial.
Werke von Meindertsma befinden sich in den Sammlungen des Museum Boijmans Van Beuningen (Rotterdam), des TextielMuseum (Tilburg), des MoMA (New York), des Victoria and Albert Museum (London) und des Vitra Design Museum (Weil am Rhein). Ihre Arbeiten wurden dreimal mit dem Dutch Design Award (2008) ausgezeichnet und für „PIG 05049“ mit einem Index Award (2009) geehrt. Der „Flax Chair“ gewann den Dutch Design Award und den Future Award (2016) und war bereits zuvor im Cuypershuis zu bewundern, als sie für den Harrie-Tillie-Preis (2015) nominiert war. Meindertsma schloss 2003 ihr Studium an der Design Academy Eindhoven ab.


